28.02.2012

Augenerkrankungen

Die Sehkraft erhalten (I)

Eins ist bei ­Augenerkrankungen entscheidend: Nur das rechtzeitige Erkennen führt zum Heilungserfolg. Susanne Schmidt hat sich beim Berufsverband der Augenärzte für Sie schlau gemacht.

Wer ein Leben lang den Durchblick behalten will, sollte regelmäßig seinen Augenarzt aufsuchen, denn rechtzeitige Behandlung ist bei Augenkrankheiten die halbe Miete.

Werden Augenkrankheiten rechtzeitig erkannt, lassen sie sich in den meis­ten Fällen erfolgreich behandeln. Augenärzte können viel tun, um Sehbehinderung oder gar Erblindung zu verhindern. Viele Menschen wissen jedoch nicht, dass mit einer wenig belastenden Früherkennungsuntersuchung Sehkraft langfristig erhalten werden kann.

Die Krankheiten, die heute am häufigsten zur Erblindungsursache werden, sind der Grüne Star (Glaukom), diabetische Netzhauterkrankungen und die Altersabhängige Makula-Degeneration. Allen gemeinsam ist, dass schon lange, bevor die Patienten Symptome bemerken, bei einer augenärztlichen Untersuchung Anzeichen der Krankheiten gefunden werden ­können. Um dann die Sehkraft zu erhalten, gehe eine ganze Menge, betont ­
Dr. Klaus Heckmann, der 2. ­Vorsitzende des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands: "Die Augenheilkunde hat in den letzten zehn bis zwanzig Jahren erhebliche Fortschritte bei den Behandlungsmethoden sowohl chirurgisch wie auch medikamentös erlebt."
Um auf die Wichtigkeit rechtzeitiger Untersuchungen hinzuweisen, informieren mehrere Partner seit 2002 bundesweit ­in einer regelmäßig wiederkehrenden 'Woche des Sehens'; so zuletzt im Oktober 2011. Getragen wird die Aufklärungskampagne von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der Pro Retina Deutschland. Unterstützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG.

Blind durch Glaukom

Grüner Star, Grauer Star: Was ist eigentlich der Unterschied? Und ist das wirklich schlimm? Regelmäßig sehen sich Augenärzte in ihrer Praxis mit solchen Fragen der Patienten konfrontiert. Die Antwort ist einfach: Der Graue Star (Katarakt) bezeichnet die Trübung der Augenlinse, die heute durch eine ambulante Operation leicht zu heilen ist. Der Grüne Star (Glaukom) dagegen bedroht das Sehen, weil der Sehnerv abstirbt. Er kann, wird er früh erkannt, gut behandelt werden. Doch das Tückische ist: Er verläuft lange ohne ­Symptome; man merkt also nichts davon, bis es für Hilfe zu spät ist.

Beim Glaukom sterben nach und nach die Zellen des Sehnervs ab. Die Ursachen sind vielfältig, oft spielt ein zu hoher Augeninnendruck eine Rolle. Der Patient hat – von wenigen Ausnahmefällen abgesehen – keine Schmerzen und kann die vom ­Glaukom verursachten Ausfälle im Gesichtsfeld erst dann erkennen, wenn schon ein großer Teil des Sehnervs unwiederbringlich zerstört ist. Eine Früherkennungsuntersuchung beim Augenarzt ist die einzige Möglichkeit, die Krankheit schon in einem frühen Stadium aufzuspüren und dann erfolgreich zu behandeln.

Erblindung verhindern

Weltweit ist das Glaukom die zweithäufigste Erblindungsursache; in Deutschland ist es der zweithäufigste Grund für den Bezug von Blindengeld. Um unnötige Erblindungen zu verhindern, raten Augenärzte ihren Patienten zur Früherkennung. Die gesetzliche Krankenversichung trägt die Kosten für die Früherkennung jedoch bisher nicht, deshalb dürfen ­Augenärzte diese Leistung nur als 'Individuelle Gesundheitsleistung' (IGeL) anbieten.

Das Screening

Augenärzte empfehlen bestimmten Gruppen eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung. Dazu gehören Menschen, deren direkte Verwandte wie Eltern und Geschwister am Glaukom leiden, stärker kurzsichtige Menschen sowie Menschen ab 40 Jahren (von 40 bis 64 alle drei Jahre, ab 65 alle ein bis zwei Jahre).

Beim Screening selbst betrachtet der Augenarzt durch sein Spezialmikroskop den Sehnervenkopf (die Stelle, an der der Sehnerv das Auge verlässt), um Auffälligkeiten festzustellen. Er kann ein Foto anfertigen, um bei späteren Untersuchungen vergleichen zu können. Mit der Messung des Augeninnendrucks wird ein wichtiger Risikofaktor für das Glaukom überprüft.

Gibt es Hinweise auf das Vorliegen eines Glaukoms, stehen weitere Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung: Mit der Gesichtsfeldmessung wird untersucht, ob bereits blinde Flecken im Gesichtsfeld entstanden sind. Sinnvoll ist zudem die Messung der Hornhautdicke, die ebenfalls einen Risikofaktor darstellen kann. High-Tech-Diagnostik wie die Retina-Tomographie zur dreidimensionalen Vermessung des Sehnervenkopfs, die Messung der Nervenfaserschichtdicke oder die optische Kohärenztomographie sind vor allem wertvoll für die Verlaufsbeobachtung, um den Erfolg einer Glaukombehandlung zu kontrollieren.

In den meisten Fällen genügt beim Glaukom die Behandlung mit Augentropfen, die den Augeninnendruck senken und so den Sehnerv entlasten. Reicht diese ­Therapie nicht aus, um das Fortschreiten des Glaukoms zu stoppen, besteht die Möglichkeit einer Laserbehandlung oder einer Operation.

 

Im zweiten Teil des Beitrags 'Die Sehkraft erhalten' (coming soon) informieren wir über diabetische Netzhauterkrankungen und die Altersabhängige Makula-Degeneration.

 

Susanne Schmidt 

Quelle: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V.

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