04.04.2012
Augenerkrankungen
Die Sehkraft erhalten (II)
Diabetische Augenerkrankungen gehören zu den häufigsten Folgeschäden der Zuckerkrankheit. Unbehandelt führen sie zur Erblindung. Mit modernen Untersuchungsmethoden können Augenärzte erste Anzeichen der gefährlichen Gefäßveränderung am Auge entdecken, lange bevor das Sehvermögen der Patienten nachlässt. Dann besteht die Chance, den Krankheitsprozess unter Kontrolle zu bekommen.
Wichtig: die jährliche Kontrolle
Prof. Dr. med. Bernd Bertram, 1. Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte und Generalsekretär der Initiativgruppe ‘Früherkennung diabetischer Augenerkrankungen’, rät allen Diabetikern: "Heutzutage können die meisten Patienten mit Diabetes bei guter Diabetesbehandlung und augenärztlicher Versorgung bis ins hohe Alter ein gutes Sehen behalten. Ein sehr wichtiger Baustein ist dabei die jährliche Netzhautkontrolle bei allen Diabetikern."
Unter einer zu hohen Zuckerkonzentration im Blut leiden insbesondere feine Blutgefäße, wie jene, die die Netzhaut (=Retina) mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Viele Diabetiker entwickeln daher im Verlauf der Krankheit eine so genannte diabetische Retinopathie. Bei manchen Typ-II-Diabetikern ist die Netzhaut schon betroffen, wenn die Krankheit erkannt wird.
Leider gehört die diabetische Retinopathie zu den Haupterblindungsursachen in Deutschland – sie ist für die meisten Erblindungen von Menschen im erwerbsfähigen Alter verantwortlich. Augenärzte tragen mit moderner Diagnostik und Therapie dazu bei, die Zahl dieser Erblindungen so gering wie möglich zu halten.
Wenn der Augenarzt mit seinem Spezialmikroskop ins Auge des Patienten schaut, kann er am Augenhintergrund die Gefäße der Netzhaut genau betrachten. Nicht selten ist er es, der auf Grund von auffälligen Veränderungen als erster die Diagnose 'Diabetes mellitus' stellt. Denn nirgends sonst im Körper können Ärzte Blutgefäße so direkt betrachten, ohne den Patienten auch nur zu berühren. Moderne, computergestützte Verfahren verschärfen den diagnostischen Blick zusätzlich, so dass die Netzhautschäden noch besser erkannt und der Verlauf der Krankheit genauestens kontrolliert werden kann.
Eine optimale Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle ist die beste Methode, um diabetesbedingte Augenschäden zu vermeiden. Wenn sich doch eine diabetische Retinopathie entwickelt, können Laserberhandlungen oder – im fortgeschrittenen Stadium – operative Eingriffe dem Patienten das Augenlicht erhalten. Prof. Bertram betont: "Die Lasertherapie kann oft eine Sehverschlechterung verhindern, kann aber meist keine Besserung erreichen. Deswegen muss auch bei Beschwerdefreiheit jährlich der Netzhautbefund kontrolliert werden, um für die Lasertherapie den richtigen Zeitpunkt zu erkennen: wenn bestimmte Netzhautveränderungen vorliegen und die Sehfunktion noch gut ist."
Wichtig ist jedoch, dass Diabetiker ihre Augen regelmäßig untersuchen lassen. Sobald die Zuckerkrankheit erkannt wurde, sollten sie zum Augenarzt gehen.
Der 'gelbe Punkt'
Eine weitere Erkrankung, die das Sehvermögen angreift, ist die Makula-Degeneration. Dabei wird die Netzhaut im hinteren Bereich des Auges – an der Makula – in Mitleidenschaft gezogen. Dieser spezielle 'gelbe Punkt' sogt dafür, dass wir scharf sehen können. Im Verlauf der Krankheit kommt es zu einem fortschreitenden Sehverlust im zentralen Gesichtsfeld. Das periphere Gesichtsfeld bleibt erhalten.
Die weitaus häufigste Form ist die Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD). Erste Symptome sind eine verschwommene und verzerrte Wahrnehmung im Zentrum des Gesichtsfelds. Dadurch wird das Lesen, aber auch das Erkennen von Personen immer schwieriger. Von der Krankheit sind in Deutschland rund vier Millionen Menschen betroffen.
Man unterscheidet zwischen trockener und feuchter AMD. Von der trockenen Form sind etwa 85% aller Patienten betroffen. Dabei bildet sich ein Teil der Netzhaut zurück, wird dünner und kann absterben. Die Sehfähigkeit wird durch den Ausfall von Sehzellen schrittweise beeinträchtigt. Zu Beginn einer AMD ist die Sehkraft zunächst nur wenig eingeschränkt. Im fortgeschrittenen Verlauf der Erkrankung wird das zentrale Gesichtsfeld jedoch erheblich beeinträchtigt oder fällt vollständig aus.
Die feuchte AMD entwickelt sich in der Regel aus der trockenen AMD und ist die schneller fortschreitende Form. Dabei wachsen neue, poröse Blutgefäße aus der Aderhaut unter und in die Netzhaut und lösen Blutungen, Schwellungen und in späten Stadien auch Narbenbildungen aus. Dies kann zur Einschränkung der Nah- und Weitsicht führen, sodass zum Beispiel Gesichter nicht mehr erkannt werden und alltägliche Handlungen wie Lesen und Autofahren nicht mehr möglich sind. Diese Form ist zwar seltener, jedoch geht sie mit einem schnell fortschreitenden und irreversiblen Sehverlust einher.
Eine Heilung der Erkrankung ist bis heute nicht möglich. In vielen Fällen ist es aber durch eine Therapie möglich, das Fortschreiten zu stoppen oder zu verlangsamen. Da zerstörte Sehnervzellen nicht ersetzt werden können, ermöglicht nur eine frühzeitige Diagnose, rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. Da die trockene Form in die feuchte Form übergehen kann, ist eine regelmäßige Netzhautuntersuchung ab dem 55. Lebensjahr durch den Augenarzt wichtig.
Susanne Schmidt
Quelle: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V.
Mit diesen Tipps des Berufsverbands der Augenärzte können die Augen einfach, aber wirkungsvoll geschützt werden:
1. Tragen Sie eine Sonnenbrille: Ein guter UV-Schutz beugt der Entstehung des Grauen Stars vor und bewahrt die Netzhaut vor Schäden. Einen guten UV-Schutz erkennt man jedoch nicht schon an der Färbung der Gläser – auch dunkle Gläser können UV-Strahlung durchlassen. Dann besteht die Gefahr, dass sich der dunklen Färbung wegen die Pupillen weit öffnen und besonders viel Strahlung ins Auge dringen kann. Beim Kauf einer Sonnenbrille sollte man deshalb auf das CE-Zeichen achten, es signalisiert, dass die europäischen Mindestvorgaben eingehalten werden. Eine gute Sonnenbrille sollte zudem das Auge rundum abdecken und auch seitlich einfallende Strahlung abschirmen.
2. Rauchen Sie nicht: Raucher haben ein erhöhtes Risiko, eine Altersbedingte Makula-Degeneration zu entwickeln, auch das Kataraktrisiko ist bei ihnen höher.
3. Ernähren Sie sich vielseitig: Eine vitaminreiche Kost schützt die Netzhaut. An der Annahme, dass Karotten gut für die Augen sind, ist etwas Wahres. Darüber hinaus haben Untersuchungen gezeigt, dass vor allem grünes Blattgemüse hilft, die Sehkraft zu erhalten.
4. Nutzen Sie Vorsorgeuntersuchungen: Viele Augenkrankheiten treten im Alter gehäuft auf. Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt daher regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ab dem 40. Lebensjahr.
5. Handeln Sie früh: Die Behandlungsmöglichkeiten des Glaukoms, aber auch der Altersbedingten Makula-Degeneration und der Diabetischen Netzhaut-erkrankung sind in einem frühen Krankheitsstadium besonders gut. Ein frühes Eingreifen kann deshalb wertvolles Sehvermögen erhalten.
6. Tragen Sie Schutzbrillen: Augenver-letzungen bei handwerklichen Arbeiten, aber auch beim Sport lassen sich durch Schutzbrillen zuverlässig vermeiden. In Deutschland leben nach Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als 6.000 Menschen, die auf Grund eines Unfalls ihr Augenlicht teilweise oder ganz verloren haben.
7. Achten Sie auf Hygiene beim Tragen von Kontaktlinsen: Kontaktlinsenträger sollten ihre Augen regelmäßig vom Augenarzt untersuchen lassen. Zudem sollten Sie den augenärztlichen Empfehlungen zur Kontaktlinsenpflege und -hygiene genau Folge leisten, um Komplikationen zu vermeiden.
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