19.06.2019

Kompetenzzentrum Deutscher Zweithaarprofis

Expertenrunde

Wer als Zweithaaranbieter Haarersatz auf Rezept mit den Krankenkassen abrechnen möchte, muss gewisse Voraussetzungen erfüllen. Hier das Wichtigste zu gesetzlichen Neuerungen.

(v. l.) Bernd Hammer und Dieter Grundl im Gespräch mit Nadine Dammann-Esch.

Zweithaaranbieter sind dann Leistungserbringer und müssen sich unter anderem auf Präqualifizierung zertifizieren lassen.

In der Vergangenheit haben sich die meisten Leistungserbringer aus der Zweithaarbranche von der PQS-Hilfsmittel (PQ-Stelle des VdeK – Verbands der Ersatzkassen) präqualifizieren lassen. Diese hat Ihren Dienst diesbezüglich zum 30. April 2019 eingestellt. Das hängt u. a. mit den gesetzlichen Anforderungen des neuen Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes zusammen.
Nadine Dammann-Esch vom Kompetenzzentrum (dieses ist auch Mitglied im Zertifizierungsgremium der Agentur für Präqualifizierung) hat eine Expertenrunde einberufen, um das Thema für die Friseurkollegen zu veranschaulichen. Gesprächspartner waren Dieter Grundl, Leiter der Agentur für Präqualifizierung (AfP, seit elf Jahren präqualifiziert die Agentur Leistungserbringer), und Bernd Hammer, Mitglied des Zertifizierungsgremiums bei der AfP, hier als Vertreter der Leistungserbringerseite Apotheken, hauptberuflich Geschäftsführer und Syndikus des Apothekerverbands Rheinland Pfalz. Er ist daran interessiert, dass z. B. Apotheken möglichst leicht und kostengünstig die Präqualifizierung, die für die Versorgung mit Hilfsmitteln notwendig ist, erreichen können.

Das Interview

Kompetenzzentrum: Wir beschäftigen uns heute mit dem Thema Präqualifizierung (PQ) der Gruppe Friseurmeister. Grundsätzlich stellt sich die Frage: Wozu ist eine PQ überhaupt notwendig?

Bernd Hammer: Die Präqualifizierung ist als übergeordnetes, strukturiertes Verfahren daraus entstanden, dass in der Hilsfmittelversorgung in der Vergangenheit jeder Kostenträger eigene Regeln aufstellte, welche Voraussetzungen er erfüllt haben wollte, um Leistungserbringer auf seine Versicherten mit Versorgung von Hilfsmitteln 'loszulassen'. Die Thematik wurde  vor etlichen Jahren über den GKV Spitzenverband umorganisiert und neu strukturiert, so dass sich der Leistungserbinger nur noch einmal präqualifizieren lassen muss. Diese PQ entfaltet gegenüber allen Kostenträgern ihre Wirksamkeit, jede einzelne Meldung gegenüber den Kostenträgern entfällt, und das führte zur erheblichen Verwaltungsvereinfachung.

Kompetenzzentrum: Wie läuft eine Zertifizierung für Friseure ab, die den Vorgang das erste Mal bestreiten müssen?

Dieter Grundl: Wie bei jedem anderen Leistungserbringer gibt es die sog. Erst-PQ. Es ist ein Antrag für zwei Versorgungsbereiche der Gruppe Haarersatz zu stellen. Hierfür gibt der GKV-Spitzenverband einen sog. Kriterienkatalog vor, der sich nach den Versorgungsbereichen ausrichtet. Die Nachweise, dass sie die Kriterien erfüllen, müssen die Antragsteller beifügen. Dann werden von der Zertifizierungsstelle alle Dokumente geprüft. Wenn alles in Ordnung ist, wird eine Präqualifizierungsurkunde erstellt. Dies nennt sich heute 'Zertifikat für die Präqualifizierung'. Bislang hieß es Präqualifizierungsbestätigung.

Kompetenzzentrum: Was ist neu seit 1. Mai 2019 für die Friseure, die sich bisher über die PQS Hilfsmittel haben präqualifizieren lassen und noch eine 'eigentlich' gültige PQ von VQS-Hilfsmittel haben? 

Die PQ–Stellen wurden in der Regel 2011 vom GKV Spitzenverband benannt, so auch die PQS-Hilfsmittel des Vdek. Das Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz hat im April 2017 mit aufgenommen, dass eine PQ gesetzliche Pflicht ist. Das ist im Sozialgesetzbuch 126 SGB V festgeschrieben.
Einmal steht in diesem Gesetz: 'Alle Leistungserbringer müssen präqualifiziert sein' und weiter: 'Alle PQ-Stellen, die auf dem Markt agieren, mussten sich akkreditieren.' 23 PQ-Stellen standen an dieser Schwelle, ob sie sich akkreditieren lassen, fünf sind praktisch ausgeschieden, bevor sie das Verfahren zu Ende geführt haben – darunter auch die PQS Hilfsmittel. Diese bietet das seit 30. April 2019 nicht mehr an. Der Gesetzgeber hat entschieden, dass ab 1. Mai 2019 nur noch akkreditierte Stellen Zertifizierungen ausstellen dürfen – mit dem DAkkS-Logo. Von den 18 verbliebenen Stellen haben 15 jetzt eine Akkreditierung erreicht.
D. h., diejenigen, die bei einer heute nicht mehr akkreditierten PQ-Stelle waren, müssen sich neu orientieren. Das muss man nicht Hals über Kopf machen. Grundsätzlich sind die ausgestellten PQ-Bescheinigungen gültig, die über den 1. Mai 2019 hinausgehen. ABER es gibt eine Regelung, die die DAkkS getroffen hat: Alle Leistungserbringer (Zweithaaranbieter), die eine gültige PQ besitzen, müssen in der Zeit von April 2019 bis April 2021 überwacht werden und bekommen ein Zertifikat mit DAkkS Logo. Ab Mai 2021 nicht mehr. Dann werden alle Zertifizierungen, die nicht auf ein Zertifikat mit Dakks Logo umgestellt sind, ihre Gültigkeit verlieren.

Die Umstellung auf das neue Zertifikat obliegt einer Überwachung. Der Gesetzgeber verlangt, dass von April 2019 bis April 2021 alle Bestandskunden auf das neue Zertifikat umgestellt werden. Das löst der Leistungserbringer nicht aus, sondern das macht seine PQ-Stelle. Wenn der Leistungserbringer keine akkreditierte PQ-Stelle mehr hat, dann muss er sich erst einmal eine neue suchen, damit er überhaupt in dieses Verfahren der Überwachung kommt. Und dafür haben wir als Afp z. B. angeboten, ihnen zu  helfen, in dem wir eine kostenfreie Datenübernahme ihrer bestehenden PQ-Bestätigung durchführen. Kostenfrei heißt, man sendet uns das bisherige Zertifikat und muss allerdings alle bisherigen Dokumente beifügen, weil wir als neue übernehmende Stelle verantwortlich dafür sind, dass alles den Anforderungen entspricht. Alle Dokumente müssen von uns noch einmal geprüft werden.
Wenn sie dann übernommen sind, sind die Leistungerbringer im Modus der  Überwachung. Alle Präqualifizierungen, welche innerhalb April 2019 bis April 2021 ablaufen, müssen mit einem Folgeantrag ergänzt werden. Der Leistungserbringer erstellt einen Folgeantrag für das Zertifikat. Dieser hat dann wieder eine Gültigkeit von fünf Jahren. Grundsätzlich wird jeder im Modus von 20 Monaten überwacht, auch in den auf die PQ folgenden Jahren.

Kompetenzzentrum: Das hört sich auf den ersten Blick etwas kompliziert an. Wenn man aber alles einmal durchlaufen hat, ist es halb so schlimm. Zusammengefasst: Sie übernehmen bestehende Präqualifizierungen als Antrag auf Übernahme. Wenn etwas fehlt, melden Sie sich?

Grundl: Die Datenübernahme ist eigentlich nichts anderes als ein Erstantrag. Wir übernehmen alle Daten und bestätigen mit einem Zertifikat, was aber die Laufzeit nicht verlängert. Für den Folgenantrag informieren wir sechs bis sieben Monate vor Ablauf. Die Gültigkeit schließt vom Datum her an das Ablaufdatum an. Es darf keine Versorgungslücke entstehen. Wir dürfen vordatieren, damit ausreichend Zeit ist, um Anträge zu prüfen. Zur Überwachung melden wir uns ebenso schriftlich. Bestimmte Dokumente müssen noch einmal eingereicht werden und Grunddaten werden abgefragt. Also relativ unkompliziert.

Kompetenzzentrum: Es besteht keine Begehungspflicht der Salons seitens der PQ-Stellen?

Grundl: Die Berufsgruppe Friseurmeister ist da außen vor. Die Begehung ist abhängig von verschiedenen Versorgungsbereichen. Begangen werden Versorgungsbereiche, die hauptsächlich im Sanitätsfachhandel oder Orthopädiebereich zu finden sind.

Kompetenzzentrum: Wir Friseure haben also Glück, dass das nicht so aufwendig ist, und die Kostenstruktur hält sich somit flach. Nach Prüfung unsererseits handhabt das jede PQ-Stelle anders. Herr Hammer, sowohl wir als auch Sie sind als Leitungserbringervertreter Mitglied im Zertifzierungsgremium der AfP. Erklären Sie bitte noch einmal kurz, wozu das Gremium notwendig ist.

Hammer: Das Zertifizierungsgremium ist von der Deutschen Akrreditierungsstelle vorgeschrieben, um die Unabhängigkeit zu überwachen. Der Vorteil von uns als Leistungserbringervertreter ist einerseits, dass wir sehr frühzeitig wissen, was für nächste Herausforderungen auf unseren Berufsstand zukommen und andererseits, bei der ein oder anderen Stelle mal zu schauen, wie man das im Sinne der Vorschrift, aber auch praktikabel für den Leistungserbringer, umsetzen kann.

Grundl: Das Zertifizierungsgremium ist ein sogenannter Mechanismus zur Sicherstellung der Unabhängigkeit und Neutralität der Präqualifizierungsstelle. Es wird überwacht, dass wir alle Leistungserbringer gleich behandeln. Wir müssen jeden nach den gleichen Regeln bedienen. Das schreibt die Norm vor. Eingeladen in das Gremium werden sog. interessierte Kreise, dazu zählen Sie als Leistungserbringervertreter. Könnten aber auch die DAkkS oder GKV-Spitzenverband selbst, Krankenkassenvertreter oder Patienten sein. Unsere Mitarbeiter sind z. B. auch ein interessierter Kreis. Also haben wir auch hier Vertreter in unserem Gremium

Anmerkung: Eine Präqualifizierungsstelle darf ausschließlich informierend und nicht beratend tätig sein. Für Fragen kann das Kompetenzzentrum Deutscher Zweithaarprofis kontaktiert werden unter:
Tel. (0 26 85) 9 86 83 85, Mail: info(at)kompetenzzentrum-deutscher-zweithaarprofis(dot)de oder www.kompetenzzentrum-deutscher-zweithaarprofis.de

Zurück zur Übersicht
Share |

Medienpartner

SUCHE

Jetzt mitmachen und gewinnen!

Titania verlost die beiden Berrywell-Scheren Black Saphir und Black Onyx.


Termine

20. Januar 2020
Estel Trend.View 2020

25. Januar 2020
Psychologie und Haar


 alle Termine anzeigen