27.08.2013

FFK Baden-Württemberg

Mit Rat und Tat für das Friseurhandwerk

Peter Hauth im Gespräch mit Matthias Moser: 'Wirtschaftspolitik vor den Bundestagswahlen' aus der Sicht des Friseurhandwerks in Baden-Württemberg.

Matthias Moser (l.) spricht mit Peter Hauth, Vorsitzender des Wirtschafts-
und Sozialausschusses des FFK.

Moser: Peter, du bist nun Vorsitzender des Wirtschafts- und Sozialausschusses des FFK geworden. Hat sich für Dich etwas in Deiner Arbeit auf der Fachverbandsebene verändert?

Hauth: Klar ist, dass nun mehr Verantwortung auf mir lastet. Aber wir haben ja ein gutes Team im Ausschuss, und ich bin schon immer ein Teamplayer gewesen. Ich bin nicht der Typ, der sich vordrängt, sondern einer der die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen möchte. Meiner Meinung nach ist auch nur so die geballte Ladung an Sachgebieten in unserem Ausschuss zu bewältigen.

Moser: Du weißt ja, dass wir auf der Geschäftsstelle gerade die Innungsbetriebe wegen der Erlangung der Allgemeinverbindlichkeit für den bundesweiten Mindestentgelt-Tarifvertrag im Friseurhandwerk kontaktieren müssen. Stichwort Mitarbeiterzahl! Wie stehst Du denn zu dieser Sache?

Hauth: Erst mal Hut ab und mein Lob an die Damen und Dich auf der Geschäftsstelle. Neben dem alltäglichen Arbeitsanfall auch noch 2400 Mitgliedsbetriebe anzurufen ist sicher nicht einfach. Doch ihr macht das für eine gute Sache, so meine ich. Egal welche Regierungspartei im September an die Macht kommen wird, sie wird eine Art Lohnuntergrenze oder Mindestlohn einführen. Das sehe ich relativ nüchtern. Mir kommt es aber vor allem darauf an, dass wir uns "nicht die Butter vom Brot nehmen lassen". Wir vertreten die Arbeitgeberseite, wir haben zu Recht mit ver.di verhandelt, wir sind für die Tarifautonomie und geben die Richtung vor und nicht der Staat. Was sich ändern muss ist vielmehr das Tarifvertragsgesetz! Der §5, welcher regelt, dass mindestens 50% aller Mitarbeiter in Innungsbetrieben gebunden sein müssen, entspricht nicht mehr der Realität. Da muss schleunigst eine Revision her. Das geht nicht nur dem Friseurhandwerk so. Die Bindung an Vereine, Verbände oder auch Regierungsparteien hat sich gewandelt. Das spüren wir eben gerade jetzt sehr stark. Es wird wohl sehr knapp werden mit der Erlangung der Allgemeinverbindlichkeit. Aber wir kämpfen bis zum Schluss!

Moser: SPD und Bündnis 90/Die Grünen setzen im Bundestagswahlkampf 2013 auf Steuererhöhungen. Vor allem der Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und die Vermögensbesteuerung soll wieder eingeführt werden. Auch die Verschärfung der Erbschaftssteuer steht zur Diskussion. Was hältst Du von diesem Ansinnen?

Hauth: Du hattest den Vertretern der Bundesparteien ja bereits auf unserem Frühjahrsverbandstag 2013 klar gemacht, dass Steuererhöhungen dem mittelständischen Unternehmer in Baden-Württemberg nicht zu zumuten sind. Ich, Peter Hauth, Saloninhaber in Weil am Rhein, lehne ebenfalls diese Erhöhungen ab. Wichtiger wäre für mich, die kalte Progression schleunigst zu überdenken. Die Sache ist doch so, drei Viertel aller Handwerksbetriebe sind Einzelunternehmer oder Personengesellschaften. Hier finden sich auch die meisten Friseursaloninhaber (11.500) in Baden-Württemberg wieder. Für uns ist doch die Einkommensteuer wie eine Unternehmenssteuer zu sehen. 49% ist einfach nicht angebracht und schöpft Geld ab, welches unseren Betrieben zustehen könnte.

Moser: Wir stehen für den Schutz kleiner Betriebsformen, wie es nun oft auch Friseurbetriebe sind. Die Belastung im Bereich Steuer- und Abgabenerhebung ist offenkundig. Wie könnten wir die Situation ändern?

Hauth: Wir haben in mehreren Gesprächen mit der Landespolitik und der Bundespolitik auf diese Tatsache hingewiesen. Die Vorfälligkeiten im Sozialversicherungsbereich sind ein Relikt aus Zeiten, in denen die Sozialkassen leer waren und die Arbeitgeber zusätzlich zur Kassen gebeten wurden. Schon seit einiger Zeit sind die Kassen gefüllt. Es reicht damit. Das ist eine Gängelei, die wir uns nicht gefallen lassen dürfen. Ich weiß, dass wir auf Fachverbandsebene nicht müde werden, dies immer wieder zur Sprache zu bringen. Die Mühlen der Politik mahlen langsam. Aber "steter Tropfen höhlt den Stein" und da sind auch meine Kollegen und Kolleginnen Obermeister und Obermeisterinnen gefragt. Gemeinsam - auch auf Regionalebene können wir unsere Belange vorbringen. Lass mich noch anführen, dass genauso die Sozialabgabenbelastung niedriger Entgelte gesenkt werden muss. Das trifft auch wieder die Salonbesitzer.

Moser: Stichwort Kleinunternehmerregelung. Ein rotes Tuch im Friseurhandwerk, oder?

Hauth: Blutrot ist das Tuch! Diese 17.500,- Euro Umsatzsteuerfreigrenze entspricht nicht den alltäglichen betrieblichen Belangen. Sie führt zu massiven wettbewerbsverzerrenden Effekten in unserer Branche. Die Begründung der Politik, hier ginge es um Einstiegserleichterungen und Bürokratieabbau für Existenzgründer ist m. E. nicht gerechtfertigt. Eine Begrenzung z. B. auf drei Jahre muss genügen.

Moser: Die Meisterqualifikation ist ein hohes Gut, welches wir uns erkämpft haben. Viele schauen neidisch auf den "Deutschen Meisterbrief". Ist der Meisterbrief noch ein Garant für den wirtschaftlichen Erfolg eines Friseursalons?

Hauth: Natürlich ist dies eine Auszeichnung für Qualität. Damit geht natürlich nicht automatisch der wirtschaftliche Erfolg eines Salons einher. Der Meisterbrief gehört viel mehr dazu, einen Betrieb zu leiten. Der Ausgangspunkt ist nun mal der Meisterbrief. Hier wird bezeugt, dass Du das Handwerkszeug für einen Meisterbetrieb erlernt hast. Nichts anderes zählt meiner Meinung nach. Klar ist dann also auch, dass ein Missbrauch von Ausnahmeregelungen effektiv unterbunden werden muss. Der große Befähigungsnachweis steht im Raum und dort soll er auch bleiben.

Moser: Peter, Danke für das Gespräch und Dir viel Erfolg im Wirtschafts- und Sozialausschuss als auch in Deinem Salon in Südbaden.

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