19.06.2015

Salon Albert Bachmann

Übergabe professionell vorbereiten

Wenn sich ein Friseurunternehmer entschließt, seinen Salon, oft sein Lebenswerk, in andere Hände zu geben, muss das gut und vor allem rechtzeitig vorbereitet werden.

Thomas Ulrich

Albert Bachmann (55) aus Roßtal bei Nürnberg ist Friseurunternehmer und auch als Referent in der Branche bestens bekannt. Er hat in seinem Weihnachtsbrief 2014 seinen Kunden mitgeteilt, dass er künftig neue Wege gehen will und aus diesem Grund das Geschäft an Thomas Ulrich übergibt, der bei ihm ausgebildet wurde und sein volles Vertrauen genießt. Ideal ist in diesem Fall die Möglichkeit des sanften Übergangs: Seit 1. Januar ist Ulrich zwar der Inhaber des Salons, aber Bachmann ist noch an zwei bis drei Tagen in der Woche für die Kunden da. In der übrigen Zeit will er seine Erfahrungen noch intensiver an seine Kollegen in ganz Deutschland weitergeben.  

Lange und intensive Vorbereitung

FRISEURWELT wollte von Albert Bachmann wissen, welche Kriterien gerade für Thomas Ulrich als Nachfolger sprachen. Das kann uns der umtriebige Friseur erklären: "Er hat die Intelligenz, die Kreativität und die Power, dass er ein Unternehmen dieser Größe führen kann." Und, was genau so wichtig ist, "er hatte auch die Mittel, um die Investition zu stemmen."
Bereits im Juli 2011 hat Bachmann dem jungen Friseur verschiedene Optionen aufgezeigt, wie es für ihn weitergehen könnte, wenn er als Meister in den Salon zurückkommt: vom angestellten Meister bis hin zur Betriebsübernahme und als Top-Angebot der Erwerb der gesamten Immobilie.
Wie hat Thomas Ulrich reagiert? "Er war ganz gelassen, und ich denke, zu diesem Zeitpunkt war das für ihn auch noch in weiter Ferne, doch er hat sich mit dem Thema von da an schon auseinandergesetzt." Ganz konkret wurde das Thema bei einem gemeinsamen Seminarbesuch im November 2012 noch einmal angesprochen. Als Thomas bestätigte, dass er sich die Betriebsübernahme vorstellen könnte, überlegte man einen geeigneten Zeitpunkt – dieser schien irgendwo zwischen 2014 und 2016 zu liegen.
Auch das Team wurde schon bald informiert, bei einer Morgenbesprechung im November 2013. Da wurde der Termin der Übergabe schon konkret auf den 1. Januar 2015 festgelegt. Bachmann und Ulrich boten an, in kleinen Gruppen von je 2-3 Mitarbeitern zusammen essen zu gehen, um alle Fragen zu klären. Die Mitarbeiter sollten sich überlegen: Was erwarte ich von meinem neuen Chef? Was erwarte ich in Zukunft vom Unternehmen? Wo sehe ich mich in Zukunft bei Frisör Bachmann? Mit drei Gruppen waren der alte und der neue Chef im intensiven Dialog, zunächst mit den über 50-jährigen Mitarbeitern, dann mit der 'Mittelklasse', "die kritischsten Mitarbeiter und zugleich Freunde von Thomas und absolute Leistungsträger", wie Bachmann sagt, und schließlich mit den jüngeren Mitarbeitern, die gerne Aufgaben übernehmen wollen und Interesse an neuen Dienstleistungen haben. Für sie war wichtig: Wann bekommen wir Haarverlängerung, und auf welche Seminare gehen wir jetzt? Für andere stand die Frage im Vordergrund, ob die betriebliche Altersversorgung weiterbezahlt wird, was mit dem Urlaubsanspruch ist und wie die bisherige Betriebszugehörigkeit zählt, "und ist der neue Chef bei Jubiläen genau so großzügig, wie der Herr Bachmann es immer war?", ergänzt der Chef schmunzelnd.

Die Reaktion des Teams und der Kunden
"Das Team kannte Thomas seit seiner Azubizeit und hat mitbekommen, wie er sich in Rekordzeit durch sämtliche Kategorien gearbeitet hat und ein absoluter Leistungsträger im Betrieb ist", schildert Bachmann. So haben alle sehr positiv reagiert. Es kamen Aussagen wie 'Das haben wir uns schon gedacht.' Auch die Kunden mussten informiert werden. Ab Januar 2014 hatten die Mitarbeiter die Erlaubnis, mit den Kunden darüber zu sprechen. Mitte November 2014 hat Bachmann im Amtsblatt Roßtal eine ganzseitige Anzeige geschaltet, diese wurde gleichzeitig im Schaufenster und im Salon ausgehängt und erschien Anfang Dezember auch noch in einem Mitteilungsblatt, das die ganze Region Fürth Land abdeckt. "In derselben Ausgabe haben die Mitarbeiter eine ganzseitige Anzeige mit Dankeskommentaren für mich geschaltet", berichtet der Chef. Und wie haben die Kunden reagiert? "Die Resonanz ging von 'jawohl, das ist der richtige Typ' über 'ob er das schafft' bis hin zu 'so alt sind Sie doch noch gar nicht, dass Sie jetzt schon in Rente gehen", erzählt Bachmann, und "die ersten vier Wochen zeigen, dass Thomas Ulrich sich auf seinem neuen Posten sehr gut bewährt."

Albert Bachmann

Rundum perfekt vorbereitet
Zur Heransgehensweise schildert Albert Bachmann, dass er und Thomas Ulrich sich zwei Jahre vor der Übergabe überlegt haben, welche Aus- und Weiterbildung der Nachfolger braucht, um der Aufgabe als Chef und Betriebsinhaber gerecht zu werden. "Wir haben uns für drei Richtungen entschieden, und dann kam noch das neue Programm von Wella 'Next Generation Circle' dazu. Die anderen waren das Seminar 'Unternehmensführung – Unternehmer-Energie' von Dr. Dr. Cay von Fournier, 'Mitarbeiterführung – Klartext reden' und 'Betriebswirtschaft – Betriebswirtschaft 1' von Peter Lehmann. Seit Mitte 2014 besucht Thomas nun das Trainee Programm 'Next Generation Circle', um hier neue Strukturen zu lernen und um sein Netzwerk zu erweitern." Die Unterstützung von Wella war Bachmann sehr wichtig und wertvoll: "Wir haben immer innovative und zukunftsorientierte Partner gehabt, die lange vor der Übergabe mit im Boot waren und sich mit ihren Ideen einbringen konnten."
Auch die betriebswirtschaftliche Seite des Salons lernte Thomas Ulrich frühzeitig intensiv kennen: "Wir haben ab Anfang 2014 in jedem Quartal Zahlenbesprechungen abgehalten, um Thomas die Hintergründe, das Umsatz-/Kostenverhältnis aufzuzeigen und um ihm Lust auf den Betrieb zu machen. Seit Oktober 2014 haben wir eine wöchentliche Bürostunde, das führen wir auch im Jahr 2015 weiter", meint Bachmann.

Das sagt der Neue

Wie fühlt sich Thomas Ulrich nun, wie stellt er sich seine Zukunft vor, wollten wir wissen? "Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass Albert mir es zutraut, sein beachtliches Lebenswerk hier im Salon weiterzuführen. Er hat wirklich viel geschaffen und eine Marke aufgebaut, mit der ich mich jetzt auch seit zehn Jahren identifiziere und die zu meiner Familie geworden ist, was mir die Entscheidung auch leicht gemacht hat. Allerdings hatte ich große Ehrfurcht, mich dieser Aufgabe zu stellen, im Team sowie in der Organisation. In dieser Hinsicht hätte ich mir aber gar nicht so viele Gedanken machen müssen, denn ich habe die beste Unterstützung von allen erhalten, die man sich nur vorstellen kann. Die Seminarvorbereitung in den letzten beiden Jahren und jetzt die Begleitung auch durch den Next Generation Circle sowie ein Januar, der extrem gut gelaufen ist, lassen mich sehr positiv in die Zukunft schauen. Wenn sich alles so weiterentwickelt, wie ich es angedacht habe und wie es begonnen hat, bin ich happy."
Was will er verändern, was wird er beibehalten? "Von unserer Organisation her sind wir supergut aufgestellt. Wir haben für alles Checklisten, auf denen jeder Mitarbeiter genau nachlesen kann, was wann, wie und wo zu erledigen ist und zu wessen Aufgabengebiet es gehört." Natürlich will er seine eigene Handschrift über kurz oder lang mehr im Salon hinterlassen, sei es bei der Raumgestaltung oder bei den Dienstleistungen. "Ich möchte in Zukunft auch in Richtung Make-up und Extensions gehen, was wir im Moment gar nicht anbieten. Wer in den Fußspuren eines anderen wandelt, kann ihn nicht überholen. Deshalb bin ich sehr froh, dass Albert Bachmann mir den richtigen Weg gezeigt hat, mich auch noch begleitet und mich aber auch mal rechts oder links gehen lässt."
Für ihre weiteren beruflichen Wege wünschen wir Albert Bachmann und Thomas Ulrich jedenfalls alles Gute und viel Glück!

Heidi Stolz

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