15.05.2019

Zentralverband

Mindestlohn für Azubis beschlossen

Das Bundeskabinett hat heute die Mindestausbildungsvergütung für Azubis beschlossen. Das Handwerk sieht das problematisch. Ein Interview mit dem Zentralverband.

Jörg Müller im Gespräch.
FOTO: ZV Friseurhandwerk

Bildungsministerin Anja Karliczek hat das Gesetz auf den Weg gebracht, das Bundeskabinett hat es heute beschlossen (hier finden Sie den Gesetzestext): 

Die gesetzlich festgeschriebene Mindestausbildungsvergütung soll für 2020 515,- € im ersten Lehrjahr betragen und bis 2023 in drei Stufen auf 620,- € steigen. Für das zweite und dritte Ausbildungsjahr (und ggf. das vierte) sollen Aufschläge von 18, 35 und 40% auf die Vergütung des 1. Lehrjahres erfolgen.
Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, beantwortet unsere Fragen zum Thema:

Herr Müller, das Gesetz ist nun beschlossen, obwohl es viele Gegenstimmen gab. Hätten die Verbände und die Industrie es verhindern können?

Der Zentralverband Friseurhandwerk hat sich, genauso wie der ZDH, aktiv in der Presse dagegen ausgesprochen und seinen Widerstand erneut formuliert. Das Gesetz ist und bleibt ein schwerer Eingriff in die Tarifautonomie, erlaubt keinerlei regionale und branchenbezogene Differenzierungen; es überfordert vor allem kleine Betriebe und birgt die Gefahr für einen Rückgang der Ausbildungsbereitschaft. Der Protest des Friseurhandwerks wurde von Tagesschau, NTV, Tageszeitungen wie FAZ und Süddeutsche, den Nachrichtenmagazinen wie Focus und Spiegel, den Nachrichtenagenturen und anderen Medien aufgegriffen.
Natürlich hat sich das Friseurhandwerk auch im Vorfeld klar gegen die Mindestausbildungsvergütung positioniert. Gegen den 'Kompromiss' von BDA und DGB konnten wir uns jedoch nicht durchsetzen.

Geplant ist aktuell eine Vergütung von mindestens 515,- € im ersten Ausbildungsjahr, die sich in den Folgejahren noch erhöhen soll. Allerdings sollen die Tarifpartner in den einzelnen Branchen auch eine niedrigere Vergütung vereinbaren können. Was bedeutet das für das Friseurhandwerk?
 

Wichtig ist, dass für Ausbildungsverträge, die bis zum 31.12.2019 abgeschlossen werden, die neue Regelung zur Mindestausbildungsvergütung nicht gelten wird. Und ja, es gilt ein uneingeschränkter Tarifvorrang, auch wenn die Ausbildungsvergütung unterhalb der jetzt getroffenen Werte liegt.

Falls man niedrigere Vergütungen vereinbart – heißt das dann nicht, dass sich noch weniger Azubis in der Friseurbranche bewerben?
 
Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist nicht unwichtig, gibt aber nie den Ausschlag für eine Berufswahl. Entscheidend ist doch jetzt, ob ein kleiner Betrieb die Ausbildung noch finanzieren kann.

Was empfehlen Sie den Landesverbänden, Innungen und den einzelnen Betrieben?

Wir fordern alle Friseurunternehmer auf, sich politisch als Arbeitgeber zu engagieren. 'Mitglied werden' ist entscheidend, um die Stimme des Friseurhandwerks zu stärken!

Herr Müller, wir danken Ihnen für diese Einschätzung!

Zurück zur Übersicht
Share |

Medienpartner

SUCHE

Hier teilnehmen und gewinnen!

Tondeo verlost die Schere Supra 5.5" mit der neuen Conblade-Technologie.


Termine

25. - 27. Mai 2019
Mitgliederversammlung des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks

29. - 30. Juni 2019
Cosmetica

30. Juni 2019
4Nations Show #2


 alle Termine anzeigen